Alevitischer Kulturverein Landshut und Umgebung e.V.

 

        

  Gelin Canlar Bir Olalim

Pir Sultan Abdal 

 

 

Hz. Ali'nin "Haksızlığın önünde boyun eğme, hakkınla beraber şerefinide kaybedersin." sözü biz Alevilere hayatimiz boyunca meşale olmalıdır.  

 

 

 

Kadilar Müftüler fetva yazarsa,

Iste Kement iste boynum asarsa,

Iste hancer iste kellem keserse,  

Dönen dönsün ben dönmezem yolumdan.  


 Pir Sultan Abdal  


Hararet nârda’dır, sac’da  değildir,
Kerâmet sendedir, tâc’da değildir.
Her ne arar isen, kendinde  ara,
Kudüs’te, Mekke’de, Hâc’da değildir.

Hacı Bektaş.i Veli  

 

 

Die Aleviten / Aleviler 

 

Grundlagen des alevitischen Glaubens

1. Das Glaubensbekenntnis

2. Der Glaube an die heilige Kraft (kutsal güç)

3. Der Glaube an den Weg zur Vervollkommnung der Menschen (insan- i kamil olmak)  

4. Der Glaube an die Unsterblichkeit der Seelen (canların ölmezliği)

1. Glaubensbekenntnis  

 

Aleviten  glauben an den einen und einzigen Gott (Allah/Hak). Gott ist für die  Aleviten der Schöpfer, der Gerechte, der Allgegenwärtige und der Weise  und lässt zugleich alle Lebewesen an sich Anteil haben. Diese Aufzählung  der Eigenschaften Gottes ist nicht vollständig.  

Aleviten  glauben an den Propheten Mohammed als den Gesandten Gottes und drücken  dies in ihrem Glaubensbekenntnis aus: „Es gibt keinen anderen Gott außer  Allah, Mohammed ist sein Prophet und Ali sein Freund“. Aleviten  verwenden diese Glaubensbekenntnis in einer Kurzform: „Ya Allah, ya  Muhammed, ya Ali“. Aleviten glauben an eine Identität, eine geistige  Gleichartigkeit zwischen Gott, Mohammed und Ali und sprechen als  Kultspruch „allah- muhammed-ali“.

Dieses  Einssein bezieht sich im Kern auf das Gottesverständnis von Mohammed  und Ali. Das alevitische Glaubensbekenntnis beinhaltet vier konkrete  Aussagen:  

 

1.  Es gibt einen Gott: Aleviten glauben nur an einen Gott. Sie bezeichnen  Gott als Tanrı, Allah, Hu, Hak, Hüda, Şah, Ulu. Gott ist überall zu  fühlen und zu sehen. Göttlichkeit ist überall vorhanden.  

2. Mohammed ist sein Prophet. Er vermittelte die Gottesbotschaft.  

3. Ali ist sein Heiliger. Er lebte heilig und zeigte den Menschen den Weg zu Gott.  

4.  Allah- Mohammed- Ali sind Eins. Sie werden zusammen an- und  ausgesprochen und in gleicher Weise angebetet. Nach Auffassung der  Aleviten gehören Mohammed und Ali zum Lichte Gottes, das diese Welt seit  ihrer Schöpfung erhellt.

Allah  hat alles geschaffen, was existiert. Nach dem Glauben der Aleviten  wollte Gott durch die Schöpfung sein Geheimnis offenbaren. Hacı Bektaş  Veli formulierte im 13. Jh. die Kraft der Seele wie folgt: Das Paradies  im Universum spiegelt sich im Herzen der Menschen wider. (Kainattaki  cennetin insandaki mukabili gönüldür). Die Aleviten bekennen sich zu  Gott als dem Schöpfer und sprechen von einer liebevollen Beziehung  zwischen Gott und den Menschen. Yunus Emre, der türkischsprachige  Mystiker aus dem 13. Jahrhundert, beschreibt diese Beziehung in einem  seiner berühmten Gedichte.

 

Yaradılanı severiz,  

Yaradandan ötürü.  

(Yunus Emre)

Wir lieben das Geschaffene  

Ja um des Schöpfers willen!  

(Übersetzung:  Annemarie Schimmel )

Nach  alevitischer Auffassung erscheint Gott den Menschen als die Wahrheit in  verschiedenen Formen. Aleviten formulieren das folgendermaßen: „Nur  diejenigen können diese Wahrheit sehen, die den Vervollkommnungsprozess  durchmachen.“ Die Auffassung, dass Mohammed und Ali einen Teil der  Wahrheit bilden, wird im Glaubensbekenntnis formuliert. Mohammed und Ali  sind vollkommen und bleiben vollkommen. Sie zeigten den Menschen ihre  Vollkommenheit in ihrer Lebensweise. Auch ihre Nachkommen (die zwölf   Imame ) sind von dem gleichen Licht erleuchtet. Deshalb ehren die  Aleviten die 12 Imame als Symbole für diesen Glauben.

 

2. Der Glaube an die heilige Kraft (kutsal güç)

Aleviten  glauben an eine heilige Kraft des Schöpfers, die vor allem durch  Mohammed und seinen Schwiegersohn, Ali, sowie durch dessen Nachkommen  bis heute an die Menschen weiter gegeben wird. Nach diesem Glauben wird  der Mensch als Widerspiegelung (yansıma) Gottes betrachtet. Mohammed und  Ali sind die Vorbilder für diese Widerspiegelung, indem sie einerseits  Gott reflektieren und Gott ähnlich sind und andererseits Gott im  Menschen reflektieren und menschliche Eigenschaften haben. Nach  alevitischem Verständnis hat jeder Mensch, sei er Alevit, Christ, Sunnit  oder Schiit, Frau oder Mann die heilige Kraft. Gott wollte seine  Schöpfermacht und Schönheit durch die Erschaffung des Menschen zeigen.  Dies belegen Ausdrücke  wie  „meine Seele“, „mein lieber Freund“, „mein  lieber schöner Gott“ (canım, güzel dost, güzel yüzlüm, güzel tanrım).  Nach diesem Verständnis ist der Mensch das vollkommenste und schönste  Lebewesen im Universum, auch wenn die Menschen diese Eigenschaften durch  äußere Einflüsse verlieren können.  

 

Für  die Aleviten beinhaltet die heilige Kraft als eine Gabe Gottes den  Verstand (akıl), der ermöglicht, dass die Menschen Gott und seinen  Willen erkennen können. Yunus Emre beschreibt im folgenden Gedicht die  Beständigkeit dieser Kraft:

Hem batiniyim, hem zahiriyim

Hem evvelim hem ahirim

Hem ben oyum hem o benim

Hem O kerim-i han benim.

Yunus Emre  

Ich bin das Äußere und das Innere

Der Erste und der Letzte bin ich

Ich bin sein Ebenbild und  

Mein Ebenbild liegt in seinem Wesen  

Ich bin der Erhabene.

(Übersetzung: Ismail Kaplan)  

 

Der  Verstand des Menschen als Gabe Gottes hat zur Konsequenz, dass jeder  Mensch für die Führung seines Lebens verantwortlich ist. Der Mensch kann  ein Scheitern nicht auf Gottes Willen zurückführen. Aleviten glauben,  dass das Leid nicht auf Gottes Willen zurückzuführen ist, sondern durch  menschliches Versagen bzw. durch das kollektive Fehlverhalten der  Menschen entsteht. Der Glaube an die heilige Kraft im Menschen fordert  von jedem Menschen ein aktives Bemühen um persönliche Vervollkommnung  und den Dienst in der alevitischen Gemeinde.   

Viele  alevitische Gelehrten und Dichter formulierten diesen Schöpfungsglauben  mit dem Spruch: En-el hak: Ich bin identisch mit Gott. Das heißt, ich  bin sein Ebenbild und mein Ebenbild liegt in Seinem Wesen umschlossen.  Hallac-ı Mansur (gest. 922) und Seyit Nesimi (gest. 1417) sind die  berühmtesten Gelehrten der Aleviten gewesen, die durch die islamischen  Gelehrten als Gotteslästerer zum Tode verurteilt wurden. Diese  Vorstellung des Einsseins mit Gott war für den orthodoxen Islam  unerträglich.  

Der alevitische Dichter Aşık Daimi (1932-1983) drückte diesen Glauben in seinem Gedicht so aus:

 

 

Kainatın aynasıyım

 

Kainatın aynasıyım  

Mademki ben bir insanım

Hakkın varlık deryasıyım  

Mademki ben bir insanım

 

İnsan hakta hak insanda  

Ne ararsan var insanda

Çok marifet var insanda  

Mademki ben bir insanım  

 

Tevratı yazabilirim,  

İncil`i dizebilirim Kuran`ı sezebilirim,  

Mademki ben bir insanım.

 

Daimiyim harap benim

Ayaklara turap benim

Aşk ehline şarap benim

Mademki ben bir insanım  

 

Ich bin der Spiegel des Universiums

 

Denn ich bin ein Mensch.

Ich bin der Ozean der Wahrheit

Denn ich bin ein Mensch.

 

Der Mensch und die Wahrheit sind Eins

Was du suchst, findest du im Menschen

Der Mensch besteht aus Erkenntnissen

Denn ich bin ein Mensch.

 

Ich könnte die Thora schreiben

Die Bibel könnte ich in Verse fassen

Den verborgenen Gehalt des Koran erfühle ich

Denn ich bin ein Mensch.

 

Ich, Daimi bin ein Trümmerhaufen

Ich bin die Erde unter den Füßen  

Ich bin ein Instrument, durch dessen Klang Gottes Liebe auftönt.

Denn ich bin ein Mensch.

 

Ü: Ismail Kaplan  

 

3. Der Glaube an den Weg zur Vervollkommnung der Menschen (insan- i kamil olmak)

 

Aleviten  glauben, dass jeder Mensch seine heilige Kraft, die eine Gabe Gottes  ist, durch den eigenen Weg in sich entdecken kann. Gott hilft und gibt  den Menschen Kraft, diesen Weg einzuschlagen. Aleviten schöpfen immer  wieder Zuversicht aus dem Glauben daran, dass sie die heilige Kraft in  sich haben und dass Gott ihnen die Kraft und den inneren Frieden  schenkt, sich auf den Weg der Wahrheit zu begeben. Dieser Glaube ist die  Quelle der Hoffnung auf Vervollkommnung. Aleviten glauben daran, dass  am Ende dieses Prozesses der einzelne Mensch, wenn er seine heilige  Kraft wieder entdeckt hat, sich mit Gott wiedervereinigen kann,. Das  nennt man im Alevitentum „die Vervollkommnung“ (insan olmak-  Menschwerden). Für Aleviten ist der Mensch mit Hilfe seines Verstandes  fähig, Gott zu erkennen und selbständig zwischen Gut und Böse zu  unterscheiden; somit ist der menschliche Verstand „akıl - can“ für  Aleviten eine Quelle der Offenbarung. Der Weg des Menschwerdens wird den  Aleviten in der Lehre gezeigt. Aleviten beten zu Gott nicht aus Furcht  vor der Hölle oder aus Hoffnung auf das Paradies, sondern um seiner  ewigen Schönheit willen. Auch dazu hat Yunus Emre folgendes formuliert:

 

Cennet cennet dedikleri

Bir kaç evle bir kaç huri

İsteyene ver sen onu

Bana seni gerek seni

 

 

Wenn das Paradies mit Häusern und Frauen beschrieben wird.

Dann gebt sie denjenigen, die sie wollen.  

Ich aber will nur dich haben und dich fühlen.

 

 

Aleviten  haben ein Bild von der Freiheit des Menschen vor Gott und von einem  Verhältnis des Menschen zu Gott, das nicht von der bedingungslosen  Unterordnung unter ein Gesetz bestimmt wird, sondern von der Fürsorge  Gottes für den freien Menschen, von der Hilfe Gottes bei dem Bemühen des  Menschen, Gott immer näher zu kommen. Um dieses Ziel zu erreichen,  glauben die Aleviten, dass sie nicht nur ein Leben auf dieser Erde  haben, sondern dass Gott ihnen viele Leben gibt. Der  Vervollkommnungsprozess ist für die Aleviten eine Folge der Fürsorge  Gottes für die Menschen: Gott gibt dem Menschen die Möglichkeit, sich  ihm durch viele Leben hindurch immer mehr anzunähern.  

Die  Aleviten schließen dabei nicht aus, dass Menschen anderer  Religionszugehörigkeit auf eigenen Wegen Gott erkennen und ihre eigene  heilige Kraft entdecken können. Yunus Emre beschreibt den Wunsch zur  Vervollkommnung in seinem Gedicht:  

 

 

 

Şöyle hayran eyle beni

ışkun odına yanayım

Her kancaru bakarısam

gördiğüm seni sanayım

 

Al gider benden benlüği

toldur içüme senlüği

Gel sen beni bunde öldür

anda varup ölmeyeyim.

 

Yunus Emre

 

Ach, mache so verwirrt mich doch,

Dass ich im Liebesfeuer  brenne.

Wo(hin) ich immer auch blicken mag,

Dass ich nur Dich erkenne!

 

Ach nimm, ach nimm mein Ich von mir

Und fülle mich so ganz mit Dir!

Komm, töte, töte mich allhier,

Dass ich dort nicht mehr sterbe!

 

Übersetzung: Annemarie Schimmel 

 

 

 

4. Der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele (canın ölmezliği)

 

Die  Aleviten glauben, dass die Menschenseele als Geschöpf heilig ist. Gott  schuf die Menschenseelen gleichwertig und gleichzeitig. Die Seelen  kommen von Gott und gehen zurück zu Gott. Die Körper sterben, jedoch  nicht die Seelen. Alle Seelen ruhen bei Gott, bis sie Gestalt annehmen  und zur Welt kommen. Nach dem Glauben der Aleviten stirbt die Seele  eines Menschen nicht, sondern kehrt heim zu Gott, um nach einer  angemessener Zeit in einen neuen Körper überzugehen. Dieser Kreislauf  dauert so lange, bis die Seele die Vervollkommnung erreicht. Wenn Seelen  sich noch nicht in diesem Kreislauf befinden, so warten sie bei Gott  darauf, dass ein neues Kind entsteht.  

Yunus  Emre behandelt in seinen Gedichten den Glauben an die ewige Existenz  der Seele. „ Die Körper sind sterblich, nicht die Seelen.“(Ölürse tenler  ölür, canlar ölesi değil). Nach diesem Glauben bedeutet die Existenz  der Seele gleichzeitig die geistige Existenz eines Menschen. Für  Aleviten ist Menschsein ohne Seele undenkbar, denn die Seele begründet  das Menschsein des Individuums. Auch andere Geschöpfe haben eine Seele  (die auch als unsterbliche Energie bezeichnet wird). Der vollkommene  Mensch kann durch diese Energie die letzte Station dieser Reise, die  Vervollkommnung erreichen. Die Aleviten sprechen von „Vier Toren“, die  der Mensch zu durchschreiten hat, um seiner Bestimmung auf der Erde  gerecht zu werden und um die vorhin beschriebene Entwicklung (die  Annäherung an Gott) zu erreichen.  

Prof.  Dr. Annemarie Schimmel beschreibt die Liebe eines alevitischen  Derwisches zu diesem Weg mit folgenden Worten: „Er weiß, dass das Leben  nur ein Kleid ist, das Gott ihm anvertraut hat und ihm wieder nehmen  wird. Aber immer ist es die alles umfassende (Gottes-) Liebe, die er  besingt und die ihn belebt wie auch tötet.“   

Der  Begriff Sterben wird von Aleviten als ein biologischer Begriff  verstanden. Das biologische Sterben für Aleviten ist nicht identisch mit  dem Ende des Lebens. Deshalb drücken Aleviten das Sterben des Körpers  mit dem Ausdruck „Hakka Yürümek“ aus: „zu Gott gehen“ oder „sich mit  Gott vereinigen“. Das bedeutet, dass sich die Seele eines Menschen nach  dem körperlichen Tod Gott zuwendet bzw. dass die Seele eines Menschen  ihren Körper wechselt (don değiştirmek).   

Vom  alevitischen Glaubensverständnis heraus gibt es keinen gewollten  Märtyrerstatus, also kein Sterben für den Glauben. Aleviten nennen nur  solche Persönlichkeiten Märtyrer, die ermordet wurden, weil sie sich zum  Alevitentum bekannten und sich für die Wahrheit aussprachen. Der  Selbstmord auf einen angeblichen „Gottesweg“ auf Kosten anderer  Menschenseelen gilt bei Aleviten als Ungehorsamkeit gegenüber Gott und  als schwerste Sünde.  

 

Bekannte Autoren weisen in ihren Veröffentlichungen auf den Glauben an die ewige Existenz der Seelen hin:  

• „Der Körper stirbt und die Seele wandert. Die Seele ist im Körper nur zu Gast“ .

•  „Diese Religion (das Alevitentum) hat gleichzeitig den Glauben, dass  die Seele (ruh) in einer Welt mit unzähligen Wesen ständig umherwandert  (reincarnation und incarnation). Hatayi (Şah İsmail) beschreibt in  seinem Gedicht: In Tausenden Körpern kreiste Ali“ .  

•  „Die Seele ist unsterblich. Sie bleibt gemäß Gottes Willen eine Weile  in einem bestimmten Körper, trennt sich davon und wechselt in einen  anderen Körper. Nach diesem Glauben ist die Seele Träger des geistigen  Lebens. Die Vervollkommnung eines Menschen ist die letzte Stellung  dieser Reise .  

 

Vielen  Kindern in alevitischen Familien werden die Namen von verstorbenen  Verwandten gegeben in dem Glauben, dass ihre Seele in das Neugeborene  wandern würde.

In  manchen Gegenden der Türkei wird immer noch im Frühling die  Beerdigungszeremonie wiederholt, mit dem Glauben, dass der Verstorbene  im Frühling mit der Natur auferstehen würde.

Aleviten  trösten die zu Gott gehenden „Seelen“ und die Hinterbliebenen aus dem  Glauben heraus, dass das Sterben lediglich den Körper betrifft, nicht  aber die Seele. Da die „von Ego, Angst und Besitzgeist gereinigte“ Seele  unschuldig von Gott geschaffen ist, wird sich nach einer angemessenen  Zeit wieder mit einem neuen Menschenkörper vereinigen. Aus dieser  Perspektive heraus, betrachtet man das Sterben als einen Übergang in  eine neue Lebensphase.  

Am  Abend des Beerdigungstags werden religiöse Gesänge (duvaz-i İmam) auf  der Saz in Anwesenheit von Verwandten und Bekannten gesungen.  

Am  40. Tag nach dem „Gang zu Gott“ findet eine Zeremonie (dardan indirme)    mit allen Bekannten und Verwandten statt, in der eventuell noch offene  Fragen mit der Seele der Person geklärt werden sollen. Falls die „zu  Gott gegangene Person“ Schulden hinterlassen hatte, werden sie von den  Hinterbliebenen und insbesondere von der Familie übernommen, mit der man  in die Weggemeinschaft (musahip) eingetreten ist. In der Gemeinde fragt  der Geistliche nach Einvernehmen mit der Seele der „zu Gott gegangenen  Person“, nach ihrer Schulden und gegebenenfalls nach Begleichung der  Schulden.  Nachdem die Beteiligten ihr Einvernehmen kund getan haben,  erklärt der Geistliche das Einvernehmen als gegeben. Anlässlich des  Sterbenstages findet eine Fürbitte- Zeremonie statt, in der alle  Beteiligten für die Rückkehr der Seele in die Welt beten.   

Der  bekannteste alevitische Dichter und Sänger (aşık), Aşık Mahzuni  (gestorben am 17.Mai. 2002 in Köln), drückt in einem seiner Lieder den  Glauben an die Unsterblichkeit der Seele wie folgt aus:

 

Ben Mehdi  değilim amma erenler

Bugün ölür yarın yine gelirim

Ya bir ceylan canda ya bir çiçekte

Değişerek başka sene yine gelirim

 

Böyle emreyledi beni yaradan

Hep o`ndayım bin yıl geçse aradan

Tüm canlı geçecek böyle sıradan

Geleceğe gider düne gelirim.

 

Ich bin jedoch kein Mahdi,  

Dennoch gehe zu Gott und komme zurück.

Entweder als Seele eines Rehs oder einer Blume

Komme ich umgewandelt in einer anderen Zeit wieder.

 

Das ist eine Regel meines Schöpfergottes

Ich bin mit ihm auch nach tausend Jahren

Für alle Lebewesen gilt diese Regel.

Ich gehe in die Zukunft und komme aus der Vergangenheit.

 

mehr: im Buch "Das Alevitentum von Ismail Kaplan, Hrsg.: AABF, 2004"